12. April 2018Keine Kommentare

Die ROT-Analyse macht Schluss mit nutzlosem Content

Die ROT-Analyse zeigt auf einen Blick, welcher Web-Content überflüssig, veraltet oder unbedeutend ist. Sie ist ein praktisches Tool, um eine Website auszumisten und unnötigen Content loszuwerden. Die ROT-Analyse lässt sich ganz einfach in einen Content-Audit inkludieren und ist besonders vor einem Website-Relaunch hilfreich, wie mein Praxisbeispiel verdeutlicht.

In einem Artikel auf smashingmagazine.com weist Boag (2015) darauf hin, dass die Kosten für die Pflege von Content im Laufe der Zeit weitaus höher sind als für die eigentliche Content-Produktion. Ihm zufolge beschränken sich die versteckten Kosten aber nicht nur auf die Wartung, sondern auch auf die Usability. Je mehr Content auf einer Website vorhanden ist, umso schwieriger kann es für die Nutzer sein, Inhalte zu finden. In Folge sinkt die Kundenzufriedenheit.

Wie können Sie Ihren Website-Content relativ einfach und methodisch aufräumen und aktualisieren? Ein Content-Audit mit einer ROT-Analyse ist eine Möglichkeit, die sich meiner Erfahrung nach bewährt hat.

Die Kategorien der ROT-Analyse

Bei einer ROT-Analyse wird der Content von allen (oder von ausgewählten) Seiten einer Website nach drei Kategorien bewertet: „Reduntant“, „Outdated“ und „Trivial“. Plaiter (2013) beschreibt diese Punkte ausführlich:

„R“ steht für „Redundant“. Redundante Informationen machen eine Website größer, als sie sein muss, und User Journeys werden verwirrend und langwierig. Content ist redundant bzw. überflüssig, wenn:

  • er kein Unternehmensziel oder kein Nutzerbedürfnis mehr erfüllt oder
  • der Content doppelt vorhanden ist.

„O“ steht für „Outdated“. Veraltete Inhalte können die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen, Misstrauen hervorrufen und zu mehr Kundenanfragen als nötig führen. Veraltete Inhalte beinhalten:

  • Nachrichten, Veranstaltungen oder Produkte, die als neu dargestellt werden, es aber nicht sind.
  • Falsche Kontaktinformationen.
  • Informationen zu nicht mehr angebotenen Produkten oder Services.

„T“ steht für „Trivial“. Alle Informationen auf einer Website sollten nützlich sein, triviale Inhalte tun oder kommunizieren jedoch nichts Nützliches. Triviale Inhalte können enthalten sein auf:

- Listingpages, Landingpages, Indexseiten usw., insbesondere wenn sie eine Barriere oder einen zusätzlichen Schritt vor dem Zugriff auf den eigentlichen Content darstellen.

Die Ziele der ROT-Analyse

Ziel einer ROT-Analyse ist es, überflüssigen, veralteten oder unbedeutenden Content ausfindig zu machen und zu entscheiden, was mit diesem geschehen soll: bleibt er, wie er ist, wird er überarbeitet oder entfernt? Die Bereinigung von ROT beinhaltet:

  • das Löschen doppelter Inhalte,
  • das Archivieren veralteter Inhalte,
  • das erneute Schreiben irreführender Inhalte bzw. das Herstellen von Relevanz für Nutzer und Unternehmen,
  • das Beseitigen von Sackgassen,
  • die Entscheidung, ob kaum aufgerufene Inhalte ausgesondert werden,
  • das Reparieren defekter Links (Plaiter, 2013).
Neon-Schild zeigt die Worte "You Are Here".

Eine ROT-Analyse zeigt den Ist-Stand einer Website auf.

ROT-Analyse und Content-Audit: Ein unschlagbares Duo

Die ROT-Analyse zeigt zwar auf, welcher Content alt oder unwichtig ist, aber sie spart aus, welcher Content mittelmäßig, unangemessen, inkonsistent oder nicht markenkonform ist. Um mehr herauszufinden und künftig bessere Content-Entscheidungen zu treffen, sollten Sie die Analyse nicht darauf beschränken, sondern sie in einer breiter angelegten Content-Analyse zu inkludieren (Jones, 2009).

Turner (2017) empfiehlt, während eines Content-Audits alles zu hinterfragen, denn jeder Content sollte einen Zweck haben.

"By questioning every bit of content in your online experience, you hopefully will get your team thinking about what content they are creating and if it’s really adding value" (Turner, 2017, Paragraph 18).

Folgende Fragen könnten Sie im Zuge des Content-Audits stellen:

  • Was soll diese Überschrift bewirken?
  • Warum brauchen wir Text, der erklärt, wie man die Seite benutzt?
  • Wohin führt dieser Button?
  • Auf welcher Seite landet man, wenn man auf diesen Link klickt?
  • Warum denken wir, dass wir FAQs für diese Seite benötigen?
  • Verstehen unsere Nutzer diesen Fachjargon? (Turner, 2017)​

ROT-Analyse — nicht nur vor dem Relaunch wichtig

Meist wird eine ROT-Analyse inklusive Content-Inventory und Content-Audit bei einem größeren Website-Redesign oder einer Migration einer Website empfohlen, idealerweise wiederholt man diese jedoch in **regelmäßigen Intervallen**, sodass sich ROT gar nicht erst ansammeln kann. Zu beachten ist auch, das den Content **früh genug zu analysieren**, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse in die Informationsarchitektur, die Templates, das Design und die Konfiguration des Content Management Systems einfließen (Ladenburg Land, 2014).

Case Study: ROT-Analyse der Website shuttleberg.com

Vor dem Relaunch der Website des Shuttlebergs Flachauwinkl-Kleinarl nahm ich mir die Zeit für ein Content-Inventory sowie einen qualitativen Content-Audit in Kombination mit einer ROT-Analyse. Ich analysierte jede einzelne der 60 deutschsprachigen Seiten mit all ihren Content-Teilen (Text, Bilder, Videos, Tabellen). Die englischsprachige Version der Website klammerte ich aus, da der englische Content auf dem deutschen basiert und wir den Content für die neue Website zuerst auf Deutsch erstellen und in einem zweiten Schritt auf Englisch übersetzen.

Wie zu Beginn bereits besprochen, sind kleinere Websites mit weniger Content einfacher zu managen, nutzerfreundlicher und günstiger. Ziel der ROT-Analyse war es deshalb, den vorhandenen Content zu reduzieren — auf die neue Website sollten ausschließlich nützliche und qualitativ hochwertige Inhalte übernommen werden. Außerdem sollte die ROT-Analyse Informationen über den Zustand des vorhandenen Contents liefern, die später als Grundlage für eine effiziente und planmäßige Aufbereitung des Contents für den Relaunch dienten.

Wie ging ich also vor? Auf Basis des Content-Inventorys, das ich mit dem Screaming Frog SEO Spider Tool gemacht hatte, legte ich eine Excel-Tabelle mit mehreren Spalten für den Content-Audit sowie zwei Spalten für die ROT-Analyse an. Dann bewertete ich die Inhalte jeder einzelnen Seite. In einer Spalte namens „ROT-Analyse“ beschrieb ich den Content mit dem passenden Kürzel (R, O, T oder gut). In der zweiten Spalte vermerkte ich die aus ROT-Analyse resultierende „Aktion“ (Löschen, Bearbeiten oder Behalten), um aufzuzeigen, was im Zuge des Relaunchs mit dem Content passieren sollte. Zum Schluss ergänzte ich die beiden Spalten mit einer Kommentar-Spalte, in die ich meine Begründung für die Bewertung, aber auch konkrete Änderungsvorschläge schrieb. Die Kommentare erwiesen sich im Nachhinein als äußerst sinnvoll — während ich den bestehenden Content Seite für Seite überarbeitete, vereinfachten diese kurzen, konkreten Informationen meinen Arbeitsablauf und -fortschritt bedeutend.

Und so sah meine Tabelle aus:

Excel-Datei des Content Audit für den Shuttleberg.

Content Audit Shuttleberg

 

Noch eine Anmerkung: Ich führte den Content-Audit und die ROT-Analyse alleine durch, da die Kapazitäten im Unternehmen zum Zeitpunkt der Analyse knapp waren. Generell wäre es meiner Meinung nach empfehlenswert, mehrere Personen aus unterschiedlichen Abteilungen am Audit zu beteiligen, um eine subjektive Einschätzung des Contents zu vermeiden und die Kollegen und Kolleginnen gleich „auf Ihre Seite“ zu ziehen.

Ergebnisse der ROT-Analyse

Während der ROT-Analyse der Shuttleberg-Website bewertete ich 42 Seiten mit gut, sieben mit O (Outdated), sechs mit R (Redundant) und vier mit T (Trivial). Ich kam zu dem Ergebnis, dass vor dem Relaunch 17 Seiten bearbeitet, 29 behalten und 14 gelöscht werden sollten. Dies war eine Überraschung für mich: Da die Website zum Zeitpunkt der Analyse bereits acht Jahre alt war und aus sehr vielen Unterseiten bestand, die unterschiedliche Mitarbeiter bearbeitet und upgedatet hatten, war ich davon ausgegangen, dass mehr Content verzichtbar gewesen wäre. Allerdings muss ich anmerken, dass auch jene Seiten meist leicht überarbeitet gehörten, die ich generell mit gut bewertet hatte.

Kuchendiagramm, das die Ergebnisse der ROT-Analyse zeigt.

Ergebnisse der ROT-Analyse

 

Um die Website übersichtlicher und nutzerfreundlicher zu gestalten, kam ich während der ROT-Analyse zu dem Schluss, dass wir auf der neuen Website mehrere Seiten mit ähnlichen Themen zu Long Pages zusammenfassen und dort mit Ankern arbeiten sollten. Diese Maßnahme würde auch das Menü übersichtlicher gestalten und die Usability verbessern, da die Anzahl an Links im Menü reduziert werden würde.

Das war's auch schon! Mit einigen Stunden Arbeitsaufwand habe ich mir ein hilfreiches Tool gebastelt, das beim Überarbeiten des bestehenden Contents für unseren Website-Relaunch mehr als hilfreich war und ständig zum Einsatz kam.

Weiterführende Literatur

Boag, P. (2015, Juni 11). How To Deal With Redundant, Out-Of-Date And Trivial Content ROT. Abgerufen 14. Dezember 2017, von https://www.smashingmagazine.com/2015/06/dealing-with-redundant-out-of-date-trivial-rot-content/

Casey, M. (2015). *The Content Strategy Toolkit: Methods, Guidelines, and Templates for Getting Content Right* (1. Aufl.). New Riders.

Halvorson, K., & Rach, M. (2012). *Content Strategy for the Web* (2nd revised edition). Berkeley, CA: New Riders.

Ladenburg Land, P. (o. J.). *Content Audits and Inventories: A Handbook by Land, Paula Ladenburg (2014) Paperback*.

Plaiter, E. (2013, April 17). Is your content ROT-ting? How to identify redundant, outdated and trivial content in your content audit. Abgerufen 14. Dezember 2017, von https://elenaplaiter.com/2013/04/17/is-your-content-rot-ting-how-to-identify-redundant-outdated-and-trivial-content-in-your-content-audit/

Spencer, D. (2014, Oktober 15). How to Conduct A Content Audit. Abgerufen 14. Dezember 2017, von https://uxmastery.com/how-to-conduct-a-content-audit/

Turner, K. (2017, January 24). Make It So: Kick-starting an Enterprise Content Strategy at AT&T. Retrieved 10 January 2018, from https://review.content-science.com/2017/01/make-it-so-kick-starting-an-enterprise-content-strategy-at-att/

27. März 2018Keine Kommentare

Warum ich über Content Strategie blogge

Content Strategie bildet den Rahmen für alle Kommunikationsmaßnahmen eines Unternehmens. Sie vereint unterschiedliche Disziplinen, ist jung, zukunftsorientiert und super-spannend. Auf diesem Blog möchte ich meine Take-Aways aus dem Masterstudiengang an der FH Joanneum mit Ihnen teilen, insbesondere wie Sie Content Strategie in kleinen und mittleren Unternehmen einsetzen und ihre Kommunikation dadurch verbessern können.

Content Strategie — das kann man studieren?

Seit etwas mehr als einem Semester studiere ich nun berufsbegleitend Content Strategie an der FH Joanneum in Graz. Ich habe vor zehn Jahren bereits ein Doppelstudium abgeschlossen — noch einen Master zu machen war eigentlich nicht mein Plan. Doch in einer stürmischen Phase beruflicher Veränderungen wurde ich durch Zufall auf die Studienrichtung aufmerksam und war sofort begeistert. Ich beschloss, mein Wissen auf den neuesten Stand zu bringen und zu lernen, Content nicht nur treffend zu formulieren, sondern auch systematisch und strategisch zu konzipieren. Die Content Strategie schien mir der Weg zum Ziel.

So bewarb ich mich sehr spontan um einen Studienplatz. Dabei war mir weder bewusst, dass nur 25 von 80 Bewerbern genommen werden, noch, wie aufwändig ein berufsbegleitendes Studium ist — eventuell hätte ich meine Bewerbung sonst nochmals hinterfragt. Das Aufnahmegespräch lief gut (dies schiebe ich zum Teil auf meine Selbstständigkeit, diese weckte großes Interesse bei den Lehrenden) und im Oktober verbrachte ich zum ersten Mal eine Präsenzwoche an der FH in Graz. 

Laptop, Kaffeetasse und Kopfhörer auf einem Tisch.

Zurück an die Uni (mit vieeel Kaffee). Photo by Lukas Blazek on Unsplash.

 

Was ist Content Strategie?

Inhalte so zu formulieren und konzipieren, dass sie von der Zielgruppe wahrgenommen werden, Nutzerinnen und Nutzern einen Mehrwert zu bieten und gleichzeitig Unternehmensziele zu verfolgen — das verstand ich unter Content Strategie und dieses Gesamtpaket wollte ich lernen.

Mein größtes Interesse galt zum Zeitpunkt meiner Bewerbung dem Content Marketing, unter anderem auch deshalb, weil mir dieser Bereich sehr gefragt erschien. Doch Content Strategie ist wesentlich mehr als Content Marketing und ein Content Stratege hat im Daily Business nicht zwingend mit der Implementierung der Maßnahmen zu tun, die er zuvor geplant hat, wie Rahel Anne Bailie attestiert:

"Content strategy deals with the planning aspects of managing content throughout its lifecycle, and includes aligning content to business goals, analysis, and modeling, and influences the development, production, presentation, evaluation, measurement, and sunsetting of content, including governance. What content strategy is not is the implementation side. The actual content development, management, and delivery is the tactical outcomes of the strategy that need to be carried out for the strategy to be effective."

Die technische und die strategische Seite der Content Planung spielen in der Content Strategie also eine wichtige Rolle. So beinhaltet das Studium neben Lehrveranstaltungen zum Schreiben im Web, zu SEO, Storytelling, oder User Research auch Kurse über Backend Development, Webtechnik, Informationsarchitektur, Accessibility oder Usability. Ich bin zwar selbst überrascht, doch nach sieben Monaten an der FH muss ich zugeben, dass ich in letzteren Seminaren mehr gelernt habe und sie interessanter finde als die erstgenannten (okay, bis auf Backend Development vielleicht, aber wozu habe ich einen Freund, der Programmierer ist).

Eames Chair und Schild "Think Outside the Box."

Neue Denk- und Herangehensweisen durch Content Strategie. Photo by Nikita Kachanovsky on Unsplash.

 

Warum erzähle ich das alles?

Einerseits, weil ich muss — im Zuge des Studiums wird von mir erwartet zum Thema Content Strategie zu bloggen. Andererseits, weil ich diese noch junge und im deutschsprachigen Raum eher weniger bekannte Disziplin äußerst spannend und zukunftsträchtig finde und ich gerne dazu beitragen will, sie in den Köpfen von Menschen und Unternehmern zu verankern.

Was erwartet Sie auf meinem Content Strategie Blog?

Ich werde ein bisschen „aus dem Nähkästchen plaudern“ und immer wieder Tipps und Tricks für Content Strategie Neulinge und Interessierte vorstellen, die in einem kleinen oder mittleren Unternehmen arbeiten oder diese leiten. Seit Juli 2017 bin ich nämlich selbst in einem mittleren Unternehmen tätig (und nebenbei nach wie vor selbstständig) und entwickle nach und nach ein gutes Gespür, welche Maßnahmen relativ einfach im Daily Business umgesetzt werden können. Diese Erfahrungen werde ich künftig hier auf meinem Blog mit Ihnen teilen und hoffe, dass Sie für Sie nützlichen Content entdecken und öfters vorbeischauen.

Wenn Ihnen gefällt, was Sie lesen, oder wenn Sie Anregungen oder Fragen an mich haben, freue ich mich — hinterlassen Sie mir einfach einen Kommentar!

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